Tael fröstelte.
Der kühle Wind strich unter ihre Kleider und sie durchlief ein leichter Schauer.
Seit Stunden wartete sie nun schon. Immer einen Hand nervös unter ihrem Umhang verborgen, auf dem Griff ihre Dolches liegend. Das weiche Leder hatte etwas beruhigendes. Es strahlte eine Sicherheit aus, die Tael um jeden Preis brauchen konnte.
Ihre Augen wanderten stets wach über den Rand der Lichtung.
Im schwachen Schein des Mondes, erschien dieser Ort noch düsterer als sonst. Die Schatten in jedem Busch, unter jedem Baum schienen sich zu bewegen. Jedes Rascheln schien eine Gefahr zu bergen.
Doch Tael zwang sich, weiterhin die Nerven zu behalten.
Warum hatte er gerade diesen gottverdammten Ort dafür ausgesucht.
Er war eben eine Person, die die Atmosphäre liebte. Und was passte besser für solch einen verbotenen Handel, als eine dunkle, abgeschiedene Lichtung in einem verwunschenen Wald.
Der Wind strich mit einem leisen Rauschen durch die Kronen der Bäume.
Tael zog ihren Umhang enger um sich und ein leises Glucksen kam darunter hervor.
Sie hoffte insgeheim das er nicht fror, denn irgendwie hatte sie ihn lieb gewonnen. Auch wenn er nur eine weitere Einnahmequelle war.
Was wollte dieser zwielichtige Kerl überhaupt mit ihm.
Er war mit Sicherheit keiner, der ihm die Haut abzog und sie teuer verkaufte, so wertvoll sie auch war. Er hatte nicht nach einem geldgierigen Händler ausgesehen. Eher wie einer, der sein Leben lang nach etwas gesucht hatte, den sein langes Leben gezeichnet hatte.
Beim Gedanken an sein Gesicht bekam Tael ein mulmiges Gefühl. Es hatte ihr einen Schauer über den Rücken gejagt, ohne das sie wusste warum. Es war das Gesicht eines in die Jahre gekommenen Mannes gewesen. Seine Augen wirkten müde und irgendwie leer.
Er wirkte mager und schmächtig, aber die Narbe die quer über sein Gesicht verlief, lies darauf schliesen, dass er kein einfacher Bücherwurm war.
Und wenn sie an seine Kleidung dachte, musste sie immer wieder feststellen, dass sie unglaublich bedachtsam gewählt gewesen war. Sie lies ihn in dem armen Ort nicht auffallen, und doch hob sie ihn von den Vagabunden und Tagelöhnern ab. Vermutlich besaß er mehr als er sich anmerken lies. Darauf lies schlieslich auch die stattliche Summe deuten die er ihr geboten hatte. Und dies ohne zu Zögern.
Doch das seltsamste an ihm war sein Name gewesen.
Tael konnte nur vermuten ob es sich dabei um seinen wirklichen Namen gehandelt hatte. Doch wenn es so gewesen wäre, dann wäre er ziemlich ausergewöhnlich.
Niemand hies so. Zumindest nicht in Dastran, oder den Orten die Tael bereits bereist hatte.
Ein plötzliches Rascheln hinter ihr, lies Tael aus ihren Gedanken aufschrecken.
Mit einem Ruck fuhr sie herum, zog in einer fliesenden Bewegung den Dolch aus der Scheide und hielt ihn schützend, auf Brusthöhe vor sich.
Die Gestalt die aus den Büschen getreten war, trug einen grauen Umhang und hatte die Kaputze tief ins Gesicht gezogen.
Einige Sekunden standen beide nur regungslos da, dann machte die vermummte Gestalt eine zaghaften Schritt auf Tael zu.
Jeder Muskel ihre Körpers war angespannt, ihr Herz schlug rasend schnell und sie presste das Knäul in ihrem Arm verzweifelt gegen ihre Brust.
"Halt" zischte sie der Gestalt entgegen. "Seid ihr es ?"
Sie versuchte einen Blick unter die Kaputze zu erhaschen, doch unter ihr war alles undurchsichtbar schwarz.
Die Gestalt verharrte in ihrer Bewegung und hob beschwichtigend die Hände. Von ihrer linken Hand schien ein leichtes Schimmern auszugehen.
Die Gestalt schob ihre Kaputze zurück und offenbarte das Gesicht, eines in die Jahre gekommenen Mannes, mit einer langen Narbe, die quer über sein Gesicht verlief.
"Na endlich" sagte Tael. Sie gab sich keine Mühe die Gereiztheit in ihrer Stimme zu verbergen. Jedoch lies sie den Dolch sinken und ihr Körper begannen sich zu entspannen.
"Verzeiht" antwortete der Mann mit einer tiefen, rauchigen Stimme. "Ich musste sichergehen, dass wir auch wirklich unter uns sind. Nur für den Fall versteht sich, dass ihr ihn mir mitgebracht habt"
Ein Lächeln umspielte seine Lippen, als würde er sich insgeheim über irgendetwas freuen. "Also. Habt ihr ihn ?".
"Habt ihr das Geld ?" erwiederte Tael kühl.
"Natürlich. Eintausend Zenny, wie versprochen". Er lachte leise in sich hinein. Ein kaltes, fast schon hustendes Lachen, aber zog einen klimpernden Beutel aus seinem Umhang hervor und hielt ihn in die Höhe "Hier !".
Tael schob den Dolch in die Scheide und nahm das Knäul behutsam hervor.
Es Gluckste erneut.
Die Augen des alten Mannes weiteten sich und strahlten geradezu vor Erregung.
"Lasst ... Lasst mich ihn sehen" bat er, bemüht darum seine Stimme ruhig und kontrolliert zu halten.
Tael blickte ihn misstrauisch an, dann den Beutel in seiner Hand. Schlieslich wickelte sie bedächtig die erste Schicht des Knäuls ab.
Darunter kam etwas kleines, rundliches zum vorschein, von dem ein beständiger goldener Schimmer ausging.
Unbändige Freude brannte in den Augen des Mannes.
Tael deckte das Knäul wieder zu und sagte "Erst das Geld".
Der Mann wandte den Blick nicht eine Sekunde von dem kleinen Bündel ab. Geistesabwesend hielt er Tael den Beutel mit dem Geld entgegen.
Tael griff danach und überreichte ihm das Knäul.
Sie öffnete den Beutel und versuchte abzuschätzen ob die Summe stimmte, gab es aber dann aber auf Grund der Menge doch auf.
Der Mann hielt das Bündel erfürchtig in den Armen. "Habt Dank" brachte er keuchend hervor. Dann drehte er sich um und schritt langsam in die Dunkelheit davon. Nicht einmal den Blick von dem kleinen, golden schimmernden Bündel in seinen Armen nehmend.
Tael blickte ihm nach. Ein seltsamer alter Mann.
Sie drehte sich um und ging ebenfalls ihres Weges. Was auch immer er nun mit ihm vorhatte, es kümmerte sie nicht. Sie war über Nacht reich geworden und machte bereits in ihrem Kopf die ersten Pläne, was sie sich von dem Geld gönnen wollte.
Die beiden Personen entfernten sich von der Lichtung. Es war nurnoch eine Frage der Zeit, bis sie auser Hörweite des anderen waren.
Saz winkte den anderen zu und sie liefen, leise wie der Wind, auf den Ästen entlang, in die Richtung in die der alte Mann gegangen war.
Wenn sie Glück hätten, würden sie heute Nacht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Sieben schemenhafte Gestalten bewegten sich fast lautlos von Ast zu Ast.
Vierzehn Augen waren auf die Umrisse einer mageren Gestalt in der Dunkelheit gerichtet.
Fünfzehn Herzen hörten in dieser Nacht auf zu schlagen.
Also die Geschichte klingt gut in meinen Ohren
AntwortenLöschenSie ist mal wieder typisch du und hat dabei eine ähnlichkeit mit den Magic the gathering romanen, was in diesem Fall jedoch keine beleidigung ist.
Besonders gefällt mir das Zahlenspiel am Ende. Hat Stil !
Pain